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Klima
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Das Klima ist der mit meteorologischen Methoden ermittelte Durchschnitt der dynamischen Prozesse in der ErdatmosphĂ€re: als Zusammenfassung der Wettererscheinungen kleinrĂ€umiger Örtlichkeiten (Meso- beziehungsweise Regionalklima) oder bezogen auf kontinentale Dimensionen (Makroklima), einschließlich aller Schwankungen im Jahresverlauf und basierend auf einer Vielzahl von Klimaelementen. Die klimatischen Bedingungen werden nicht nur von der Sonneneinstrahlung sowie den physikalischen und chemischen AblĂ€ufen innerhalb der AtmosphĂ€re gesteuert, sondern zusĂ€tzlich von den EinflĂŒssen und Wechselwirkungen der anderen vier ErdsphĂ€ren (HydrosphĂ€re, KryosphĂ€re, BiosphĂ€re und LithosphĂ€re). Um neben allen anderen WitterungsvorgĂ€ngen auch den Temperaturverlauf in einem statistisch relevanten Zeitrahmen mit ausreichender Genauigkeit darzustellen, empfiehlt die Weltorganisation fĂŒr Meteorologie (WMO) die Verwendung von Referenzperioden (auch Normalperioden oder CLINO-Perioden), in denen die Monatsmittelwerte als Zeitreihe ĂŒber 30 Jahre in einem Datensatz zusammengefasst werden. Bis einschließlich 2020 war die Referenzperiode der Jahre 1961 bis 1990 der gĂŒltige und allgemein gebrĂ€uchliche Vergleichsmaßstab. Dieser wurde mit Beginn des Jahres 2021 von der neuen Normalperiode 1991 bis 2020 abgelöst.cite-ref-1[1]

Die GesetzmĂ€ĂŸigkeiten des Klimas, seine Komponenten, Prozesse und Einflussfaktoren sowie seine mögliche kĂŒnftige Entwicklung sind Forschungsgegenstand der Klimatologie. Als interdisziplinĂ€r geprĂ€gte Wissenschaft kooperiert die Klimatologie unter anderem mit Fachgebieten wie der Physik, Meteorologie, Geographie, Geologie und Ozeanographie und verwendet zum Teil deren Methoden beziehungsweise Nachweisverfahren.

Die PalĂ€oklimatologie ist ein bedeutender Teilbereich sowohl der Klimatologie als auch der Historischen Geologie. Ihre Aufgabe besteht darin, anhand von Isotopenuntersuchungen und Datenreihen aus Klimaarchiven und indirekten Klimaanzeigern (Proxys) die klimatischen Bedingungen ĂŒber historische oder geologische ZeitrĂ€ume in Form einer Klimageschichte zu rekonstruieren und die Mechanismen vergangener Klimawandel-Ereignisse zu entschlĂŒsseln, wie zum Beispiel den Einfluss der sich periodisch verĂ€ndernden Sonneneinstrahlung aufgrund der Milanković-Zyklen auf das Erdsystem.

Obwohl das Klima heute das am genauesten untersuchte natĂŒrliche System darstellt, unterliegt der Klimabegriff aufgrund seiner globalen KomplexitĂ€t zahlreichen Vereinfachungen, Vereinheitlichungen und Vergröberungen in den Modellen, die zu erheblichen Abweichungen bei den realen VerhĂ€ltnissen an einem konkreten Ort fĂŒhren können.cite-ref-2[2]

Contents

‱ Begriff
‱ Definition
‱ Etymologie
‱ Kippelemente
‱ Klimamodelle
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Begriff

Definition

Je nach Entwicklungsstand und Schwerpunkt der Klimaforschung gab und gibt es verschiedene Definitionen.cite-ref-3[3]cite-ref-heymann2009-4-0[4] Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) arbeitet auf Grundlage einer weiten Begriffsbestimmung:cite-ref-ipccar5wgi-glossary-5-0[5]

„Klima im engeren Sinne ist normalerweise definiert als das durchschnittliche Wetter, oder genauer als die statistische Beschreibung in Form von Durchschnitt und VariabilitĂ€t relevanter GrĂ¶ĂŸen ĂŒber eine Zeitspanne im Bereich von Monaten bis zu Tausenden oder Millionen von Jahren. Der klassische Zeitraum zur Mittelung dieser Variablen sind 30 Jahre, wie von der Weltorganisation fĂŒr Meteorologie definiert. Die relevanten GrĂ¶ĂŸen sind zumeist OberflĂ€chenvariablen wie Temperatur, Niederschlag und Wind. Klima im weiteren Sinne ist der Zustand, einschließlich einer statistischen Beschreibung, des Klimasystems.“

Diese Definition des IPCC umfasst eine tiefenzeitliche Perspektive und nimmt neben der AtmosphĂ€re noch weitere Subsysteme (ErdsphĂ€ren) mit in den Blick. Sie spiegelt die Entwicklung seit der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts, in der die interdisziplinĂ€re Erforschung der Klimadynamik, einschließlich ihrer Ursachen, möglich wurde und in den Vordergrund des Interesses rĂŒckte. Damit gewann die zeitliche gegenĂŒber der regionalen Dimension an Bedeutung.cite-ref-heymann2009-4-1[4]

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert Klima enger, mit rÀumlichem Bezug und auf einer Zeitskala von Jahrzehnten:cite-ref-6[6]

„Das Klima ist definiert als die Zusammenfassung der Wettererscheinungen, die den mittleren Zustand der AtmosphĂ€re an einem bestimmten Ort oder in einem mehr oder weniger großen Gebiet charakterisieren. Es wird reprĂ€sentiert durch die statistischen Gesamteigenschaften (Mittelwerte, Extremwerte, HĂ€ufigkeiten, Andauerwerte u. a.) ĂŒber einen genĂŒgend langen Zeitraum. Im Allgemeinen wird ein Zeitraum von 30 Jahren zugrunde gelegt, die sog. Normalperiode, es sind aber durchaus auch kĂŒrzere Zeitabschnitte gebrĂ€uchlich.“

In der geographischen Klimatologie wurde Klima von Joachim BlĂŒthgen in seiner Allgemeinen Klimageographie wie folgt definiert:cite-ref-7[7]

„Das geographische Klima ist die fĂŒr einen Ort, eine Landschaft oder einen grĂ¶ĂŸeren Raum typische Zusammenfassung der erdnahen und die ErdoberflĂ€che beeinflussenden atmosphĂ€rischen ZustĂ€nde und WitterungsvorgĂ€nge wĂ€hrend eines lĂ€ngeren Zeitraumes in charakteristischer HĂ€ufigkeitsverteilung.“

In der meteorologischen Klimatologie wird Klima nach Manfred Hendl wie folgt definiert:cite-ref-8[8]

„Klima ist die örtlich charakteristische HĂ€ufigkeitsverteilung atmosphĂ€rischer ZustĂ€nde und VorgĂ€nge wĂ€hrend eines hinreichend langen Bezugszeitraums, der so zu wĂ€hlen ist, dass die HĂ€ufigkeitsverteilung der atmosphĂ€rischen ZustĂ€nde und VorgĂ€nge den typischen VerhĂ€ltnissen am Bezugsort gerecht wird.“

Die fĂŒr die Klimatologie grundlegende Definition stammt vom Wiener Meteorologen Julius von Hann (1839–1921),cite-ref-heymann2009-4-2[4] der den Begriff verstand als „die Gesamtheit aller meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der AtmosphĂ€re an irgendeiner Stelle der ErdoberflĂ€che charakterisieren.“ (Handbuch der Klimatologie, 1883)cite-ref-9[9] Von Hann begrĂŒndete damit die „Mittelwertsklimatologie“. Er griff in seiner Definition auf die das 19. Jahrhundert prĂ€gende, auf die menschliche Erfahrung eines Ortes zielende Definition Alexander von Humboldts zurĂŒck;cite-ref-heymann2009-4-3[4] dieser begriff Klima als „alle VerĂ€nderungen der AtmosphĂ€re, die unsere Organe merklich afficieren“ (Kosmos Band I)cite-ref-10[10].

Etymologie

Das Wort Klima (Plural: Klimate oder, nĂ€her am Griechischen, Klimata; selten (eingedeutscht) auch Klimas) ist eine Übernahme des altgriechischen Wortes ÎșÎ»ÎŻÎŒÎ± klĂ­ma, dessen erste Bedeutung (um 500 v. Chr.) in diesem Zusammenhang ‚KrĂŒmmung/Neigung [des Sonnenstandes]‘ war und zum Verb ÎșÎ»ÎŻÎœÎ”ÎčΜ klĂ­nein, ‚neigen‘, ‚biegen‘, ‚krĂŒmmen‘, ‚anlehnen‘ gehört. Über das SpĂ€tlateinische clima (Verb: clinare, ‚beugen‘, ‚biegen‘, ‚neigen‘cite-ref-11[11]) kam der Begriff schließlich ins Deutsche.cite-ref-12[12]

Klima bezieht sich nicht auf die Ekliptik, also darauf, dass die Erdachse zur Ebene der Erdbahn gegenwĂ€rtig einen Neigungswinkel von ca. 23,5 Grad aufweist, sondern auf die Kugelform der Erde. Dies entspricht der Erfahrung, dass nur durch eine Fortbewegung in Nord-SĂŒd-Richtung die Beobachtung anderer Himmelsgegenden möglich ist. Die entsprechende Eindeutschung ist das Kompositum „Himmelsstrich“, das jedoch nur noch die geographische Gegend und nicht mehr die zugehörige Witterung bezeichnet.

Im 20. Jahrhundert hat sich dabei das BegriffsverstÀndnis von der Wettergesamtheit (E. E. Fedorov 1927)cite-ref-13[13] hin zur Synthese des Wetters (WMO 1979) entwickelt.

Zeitliche Dimension

→

Hauptartikel

:

Meteorologie

Im Unterschied zu dem in einem bestimmten Gebiet auftretenden Wetter (Zeitrahmen: Stunden bis wenige Tage) und zur Witterung (Zeitrahmen: bis etwa eine Woche, seltener ein Monat oder eine Jahreszeit) werden in der Klimatologie fest definierte ZeitrĂ€ume statistisch ausgewertet, vorwiegend in Bezug auf das 19. bis 21. Jahrhundert. Die Ausgangsbasis bildet dabei immer das Wettergeschehen einschließlich der meteorologisch erfassten Daten und Messwerte.

Die Weltorganisation fĂŒr Meteorologie (WMO) empfiehlt in dem Zusammenhang sogenannte Klimanormalperioden mit einer Dauer von 30 Jahren. Bisheriger Standard war die Jahresreihe 1961–1990, die der ĂŒblichen Regelung entsprechend bis 2020 GĂŒltigkeit hatte und nun durch 1991–2020 ersetzt wurde. Aus praktischen ErwĂ€gungen werden alternative Normalperioden ebenfalls benutzt. Um ĂŒber ein möglichst zeitnahes Intervall zu verfĂŒgen, wurde von der österreichischen Zentralanstalt fĂŒr Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hĂ€ufig die Periode 1971–2000 herangezogen, auch im Hinblick auf die fĂŒr die Alpenregion wichtigen Gletscherinventare. ZusĂ€tzlich empfiehlt die WMO ihren Mitgliedsorganisationen den Vergleichszeitraum 1981–2010, der parallel zur jeweils gĂŒltigen Referenzperiode herangezogen wird, unter anderem fĂŒr MeteoSchweiz.

Daneben werden auch grĂ¶ĂŸere ZeitrĂ€ume ausgewertet, wie die hundertjĂ€hrige SĂ€kularperiode 1851–1950, um auf diese Weise klimatische Anomalien und Trends in einem grĂ¶ĂŸeren zeitlichen Kontext darzustellen. Dieses Prinzip wird sowohl auf lokaler als auch auf landesweiter oder globaler Ebene angewendet. Der international anerkannte Index des Goddard Institute for Space Studies (GISS) und der NASA enthĂ€lt die weltweiten Temperaturanomalien ab dem Jahr 1880 auf der Grundlage der Referenzperiode 1951–1980.cite-ref-14[14]

Bei Klimarekonstruktionen, die geologische Perioden und damit ZeitrĂ€ume von Jahrmillionen umfassen, spielen WettereinflĂŒsse naturgemĂ€ĂŸ keine Rolle mehr. Stattdessen wird versucht, durch Auswertung von Sedimenten, tierischen und pflanzlichen Fossilien sowie durch Isotopenuntersuchungen eine Klimacharakteristik der jeweiligen Epochen zu erstellen, einschließlich kurzzeitiger AbkĂŒhlungs- oder ErwĂ€rmungsphasen. Durch die raschen Fortschritte der verschiedenen Analysetechniken werden auf diesem Sektor zunehmend prĂ€zisere Ergebnisse auch in der zeitlichen Auflösung erzielt.

RĂ€umliche Dimension

Der Begriff Klima wird hĂ€ufig mit dem Weltklima beziehungsweise dem globalen Klima assoziiert. Jedoch ist die globale Temperaturentwicklung nicht reprĂ€sentativ fĂŒr einzelne Regionen, die sogar ĂŒber einen gewissen Zeitraum eine gegenlĂ€ufige Tendenz aufweisen können. Ein Beispiel hierfĂŒr ist eine „cold blob“ genannte stabile KĂ€lteblase im subpolaren Atlantik sĂŒdlich von Grönland, die sich offenbar ĂŒber Jahrzehnte entwickelt hat und die ihre Existenz möglicherweise umfangreichen SchmelzwassereintrĂ€gen des GrönlĂ€ndischen Eisschilds verdankt.cite-ref-10-1038-nclimate2554-15-0[15] Umgekehrt kann ein lokaler Rekordsommer in global ermittelten Datenreihen „verschwinden“.

Im Hinblick auf rÀumliche Dimensionen hat sich eine dreistufige Einteilung bewÀhrt:

‱ Das Mikroklima umfasst einige Meter bis wenige Kilometer, wie eine Terrasse, eine AgrarflĂ€che oder ein Straßenzug.
‱ Das Mesoklima bezieht sich auf Landstriche (zum Beispiel eine Bergkette) bis zu einigen hundert Kilometern Ausdehnung.
‱ Das Makroklima beschreibt kontinentale und globale ZusammenhĂ€nge.

WĂ€hrend beim Wetter eine enge Beziehung zwischen der rĂ€umlichen Dimension und der Ereignisdauer besteht, ist dieser Aspekt fĂŒr klimatologische Analysen weniger relevant.

Mikroklima (oder Kleinklima)

Mikroklima bezeichnet das Klima im Bereich der bodennahen Luftschichten bis etwa zwei Meter Höhe oder das Klima, das sich in einem kleinen, klar umrissenen Bereich ausbildet (zum Beispiel an Hanglagen oder in einer urbanen Umgebung).

Das Mikroklima wird entscheidend durch die OberflĂ€chenstruktur und die dort auftretende Bodenreibung des Windes geprĂ€gt. In diesem Umfeld treten schwĂ€chere Luftströmungen, aber grĂ¶ĂŸere Temperaturdifferenzen auf. Die Verschiedenheit der Böden, der GelĂ€ndeformen und der Pflanzengesellschaft kann auf engem Raum große KlimagegensĂ€tze hervorrufen. Das Mikroklima ist besonders fĂŒr niedrig wachsende Pflanzen von Bedeutung, da diese ihr klimaempfindlichstes Lebensstadium in der bodennahen Luftschicht durchlaufen, und spielt zum Beispiel bei den Eigenschaften einer Weinbergslage im QualitĂ€tsweinbau eine wichtige Rolle.

Auch der Mensch ist dem Mikroklima direkt ausgesetzt. Besonders im Lebensraum einer Stadt weicht das Mikroklima durch unterschiedliche Baustoffe, architektonische Gestaltung, Sonneneinstrahlung oder Beschattung oftmals von den natĂŒrlichen Gegebenheiten ab und kann sich durch Eingriffe in die jeweilige Bausubstanz oder deren Umgebung rasch und nachhaltig Ă€ndern.

Mesoklima

Mesoklimate bestehen aus unterschiedlichen Einzelklimaten, die eine Ausdehnung zwischen einigen hundert Metern und wenigen hundert Kilometern besitzen, im Regelfall jedoch Areale im unteren Kilometerbereich umfassen. Aufgrund dieses breiten, aber lokalen Spektrums spielen hierbei viele Aspekte der angewandten Meteorologie und der Klimatologie eine große Rolle, beispielsweise das Stadtklima oder das Regenwaldklima. Generell werden alle Lokalklimate und GelĂ€ndeklimate zu den Mesoklimaten gezĂ€hlt, wie die Lokalklimate von Ökosystemen, wobei bei diesen der Übergang zu den Mikroklimaten fließend ist.

Regionalklima

Beim Regionalklima handelt es sich um das Klima einer Raumeinheit auf der Mesoskala. Dementsprechend weist es viele Gemeinsamkeiten mit dem Mesoklima auf. Das Regionalklima zeichnet sich dadurch aus, dass es vor allem von regionalen Gegebenheiten wie der Landnutzung abhĂ€ngt. DarĂŒber hinaus ist die regionale GelĂ€ndeform ein wichtiger Einflussfaktor.

Da das Regionalklima besonders fĂŒr forst- und landwirtschaftliche sowie infrastrukturelle Prozesse wichtig ist, werden hierzu regionalklimatische Karten benutzt. Normalerweise untersucht man Regionalklimate bezogen auf naturrĂ€umlich, verwaltungstechnisch oder landschaftlich abgegrenzte Gebietseinheiten.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]

Makroklima (oder Großklima)

Zu den Makroklimaten zĂ€hlen großrĂ€umige atmosphĂ€rische Zirkulationsmuster, Meeresströmungen und Klimaregionen von mehr als 500 Kilometern Ausdehnung. Dazu gehören unter anderem die Strömungskombination der Thermohalinen Zirkulation, die vier der fĂŒnf Ozeane zu einem Wasserkreislauf vereint, sowie die periodisch auftretenden Effekte der Atlantischen Multidekaden-Oszillation. Auch die verschiedenen Windsysteme der Planetarischen Zirkulation, zum Beispiel der Monsun, der Passat oder die ozeanischen und atmosphĂ€rischen Rossby-Wellen, werden dem Makroklima zugeordnet, ebenso große Regionalklimate wie der Amazonas-Regenwald. Alle Makroklimate beeinflussen sich gegenseitig und bilden in ihrer Gesamtheit das globale Klimasystem.

Klimatyp

Abstrakte Zusammenfassungen der grĂ¶ĂŸtmöglichen Makroklimate auf verschiedenen Kontinenten – die sich in der Regel ungefĂ€hr ĂŒber die gleichen Breitengrade bzw. Klimazonen erstrecken – werden als Klimatypen bezeichnet. So bilden etwa die Großklimate der immerfeuchten, heißen RegenwĂ€lder am Amazonas, am Kongo, in SĂŒdostasien und einigen anderen Gebieten insgesamt den Klimatyp der Ă€quatorialen RegenwĂ€lder. Da die Vegetation der Erde in erster Linie vom Klima geprĂ€gt wird, dient die geographische Verteilung der realen terrestrischen Pflanzenfomationen (Tundren, WĂ€lder, Steppen usw.) als Maß fĂŒr die Anwendbarkeit der Klimatypen-Modelle. Je grĂ¶ĂŸer die Übereinstimmung, desto besser das Modell.

Klimazonen und Klimaklassifikation

→

Hauptartikel

:

Klimazone

und

Klimaklassifikation

Klimazonen sind grundsĂ€tzlich die in Ost-West-Richtung um die Erde (geozonal) ausgedehnte Gebiete, die aufgrund unterschiedlicher Strahlungs- oder WĂ€rmebilanzen je nach geographischer Breite voneinander abgegrenzt werden. Die auf diese Weise definierten solar-thermischen polaren, gemĂ€ĂŸigten und subtropischen Zonen sowie eine tropische Zone werden hĂ€ufig als Grundlage fĂŒr Klimaklassifikationen verwendet, mit deren Hilfe die Klimazonen durch Regionen mit gleichartigen klimatischen Bedingungen weiter untergliedert werden. Obwohl die „Klimazonen“ aufgrund fehlender hygrischer Klimaelemente strenggenommen noch keine Klimate abbilden, werden die klassifizierten Klimaregionen, Klimagebiete, Klimatypen oder Klimate oftmals auch als Klimazonen bezeichnet.

Eine der bekanntesten Klassifikationen stammt von dem Geowissenschaftler Wladimir Köppen (1846–1940). Sein 1936 veröffentlichtes Werk Geographisches System der Klimate gilt als die erste objektive Klimaklassifizierung (siehe Abbildung rechts). Es erlangte vor allem durch Köppens Zusammenarbeit mit dem Klimatologen Rudolf Geiger weite Verbreitung und besitzt auch gegenwĂ€rtig noch große Bedeutung.

Ausdehnung, Struktur und Lage der Klimazonen und -regionen sind abhĂ€ngig vom Zustand und den Schwankungen des weltweiten Klimas ĂŒber unterschiedlich lange ZeitrĂ€ume. Laut mehreren Studien existiert seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine deutliche Tendenz hin zur Ausbildung von wĂ€rmeren und trockeneren Klimaten.cite-ref-10-1038-srep13487-18-0[18] Bei Fortdauer dieser Entwicklung wird sehr wahrscheinlich eine Verschiebung bestehender und die Etablierung neuer Klimatypen eintreten.cite-ref-10-1073-pnas-0606292104-19-0[19]

In der Wissenschaft wird allgemein angenommen, dass bei weiter zunehmender ErwĂ€rmung betrĂ€chtliche Folgen fĂŒr Flora und Fauna aller Klimazonen zu erwarten sind. So könnten bis zum Jahr 2100 knapp 40 Prozent der weltweiten LandflĂ€chen von der einsetzenden Umwandlung der bestehenden Klimate betroffen sein, mit der Gefahr von umfangreichem Artenschwund und großflĂ€chiger Entwaldung. Besonders anfĂ€llig fĂŒr diesen Wechsel wĂ€ren subtropische und tropische Gebiete, da sie nach palĂ€obiologischen Analysen in den letzten Jahrtausenden nur marginalen Schwankungen unterlagen und deshalb eine gering ausgeprĂ€gte AnpassungsfĂ€higkeit besitzen. Mit am nachhaltigsten wĂŒrde der ErwĂ€rmungsprozess die arktischen Regionen beeinflussen, wenn sich der gegenwĂ€rtige Trend der Polaren VerstĂ€rkung in dieser Region fortsetzt. TemperaturĂ€nderungen haben erhebliche Auswirkungen auf die dort existierenden Biotope.cite-ref-10-1038-nclimate1858-20-0[20] Von dieser Entwicklung in hohem Maße betroffen sind bei weiterer Zunahme der anthropogenen Emissionen zudem der Mittelmeerraum sowie Teile von Chile und Kalifornien, mit der Gefahr regionaler WĂŒstenbildungen.cite-ref-10-1073-pnas-1911015117-21-0[21]

Neben der sich abzeichnenden polwĂ€rtigen Verschiebung der thermischen Klimazonen kommt es auch zu VerĂ€nderungen der Vegetationsverteilung bei im TropengĂŒrtel liegenden GebirgszĂŒgen. So konnte fĂŒr den 6263 Meter hohen Chimborazo in Ecuador aufgrund eines Abgleichs mit frĂŒheren Aufzeichnungen festgestellt werden, dass wĂ€hrend der letzten 200 Jahre, bedingt durch Gletscherschmelze sowie durch die zunehmende globale ErwĂ€rmung, die Pflanzendecke sich etwa 500 Meter weiter nach oben ausgebreitet hat.cite-ref-10-1073-pnas-1509938112-22-0[22]

Klimasystem

Das im Wesentlichen von der Solarstrahlung angetriebene Klimasystem der Erde besteht aus fĂŒnf Hauptkomponenten, auch ErdsphĂ€ren genannt: ErdatmosphĂ€re, HydrosphĂ€re, KryosphĂ€re, BiosphĂ€re und LithosphĂ€re (mit dem OberflĂ€chenbereich der PedosphĂ€re).cite-ref-ipccar5wgiglossary-23-0[23] Diese werden im Einzelnen wie folgt charakterisiert:

‱ Die ErdatmosphĂ€re ist die gasförmige, hauptsĂ€chlich aus Stickstoff und Sauerstoff bestehende HĂŒlle der ErdoberflĂ€che. Diese wird in mehrere Schichten unterteilt, nĂ€mlich von unten nach oben TroposphĂ€re, StratosphĂ€re, MesosphĂ€re, ThermosphĂ€re und ExosphĂ€re. Das Wettergeschehen spielt sich ausschließlich in der untersten Schicht (TroposphĂ€re) ab, deren vertikale Ausdehnung (von den Polen zum Äquator hin zunehmend) ungefĂ€hr 7 bis 17 Kilometer betrĂ€gt. Der atmosphĂ€rische Treibhauseffekt, basierend auf der Wirkung von Spurengasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan, verhindert ein Absinken der globalen OberflĂ€chentemperatur bis weit unter den Gefrierpunkt.
‱ Die HydrosphĂ€re umfasst das gesamte Vorkommen flĂŒssigen Wassers an oder unter der ErdoberflĂ€che. Subsysteme sind die OzeanosphĂ€re (das Wasser in den Meeren) und die LimnosphĂ€re (BinnengewĂ€sser auf dem Festland wie Seen, FlĂŒsse oder Grundwasser). Der Wasserdampf als gasförmiger Aggregatzustand des Wassers zĂ€hlt nicht zu dieser Kategorie, sondern ist Teil der AtmosphĂ€re.
‱ Zur KryosphĂ€re gehören Meereis, Schelfeis, Eisschilde, Gebirgsgletscher, Eis in Permafrostböden, Eiskristalle in Wolken sowie alle jahreszeitlich auftretenden und damit stark verĂ€nderlichen Schnee- und Eisbedeckungen. Da EisflĂ€chen den Großteil der einfallenden Sonnenstrahlung reflektieren, beeinflusst das Wachstum oder der Schwund der KryosphĂ€re als elementarer Klimafaktor das RĂŒckstrahlvermögen (Albedo) der Erde.
‱ Die BiosphĂ€re („Raum des Lebens“) erstreckt sich von höheren AtmosphĂ€renschichten bis einige Kilometer tief in die Erdkruste (LithosphĂ€re) und wird in diesen „Randbereichen“ ausschließlich von Mikroorganismen besiedelt. Da das Leben darauf angewiesen ist, mit der unbelebten Umwelt zu interagieren und sich dieser anzupassen, entstanden im Zuge der Evolution mehrere Ökosysteme auf planetarer Ebene. Aufgrund ihrer KomplexitĂ€t und ihrer intensiven Wechselwirkungen mit anderen SphĂ€ren steht die BiosphĂ€re (zu der auch der Mensch gehört) im Mittelpunkt vieler naturwissenschaftlicher Disziplinen, vor allem der Biologie und der Umweltwissenschaften.
‱ Die LithosphĂ€re bildet den Festlandsbereich der ErdoberflĂ€che und den Ozeanboden. Da die oberste Schicht der kontinentalen LithosphĂ€re der Verwitterung ausgesetzt ist, gleichzeitig Luft, Wasser und organische Substanzen aufnimmt beziehungsweise speichert und vielfach Pflanzenbewuchs aufweist, existiert zwischen ihr und den anderen ErdsphĂ€ren eine auf breiter Basis stattfindende Wechselwirkung.

Die innerhalb und zwischen den einzelnen SphĂ€ren ablaufenden internen Prozesse und Wechselwirkungen gehören ebenfalls zum Klimasystem. Externe, das heißt nicht zum Klimasystem gehörende Prozesse treiben das Klimasystem an, neben der Solarstrahlung sind das der Vulkanismus und menschliche EinflĂŒsse (→ #Klimafaktoren).

Klimaelemente

Als Klimaelemente werden die messbaren Einzelerscheinungen der AtmosphĂ€re bezeichnet, die durch ihr Zusammenwirken das Klima prĂ€gen. Es handelt sich dabei zumeist um meteorologische GrĂ¶ĂŸen, die mittels Wetterstationen, Wettersonden oder Satelliten erfasst werden, aber auch um Datenreihen aus der Ozeanographie und verschiedenen Disziplinen der Geowissenschaften. In der Meteorologie liegt der Schwerpunkt hierbei auf der rĂ€umlichen Datenanalyse, wĂ€hrend in der Klimatologie die Zeitreihenanalyse im Vordergrund steht.

Die wichtigsten MessgrĂ¶ĂŸen sind:

‱ Luftdruck
‱ Luftdichte
‱ Sichtweite
‱ Albedo

Die Werte werden in Monatstabellen gesammelt und fĂŒr lĂ€ngere ZeitrĂ€ume (klimatologisch mindestens im Rahmen einer 30-jĂ€hrigen Normalperiode) nach Mittelwerten, HĂ€ufigkeiten, Abfolgen und Extremwerten ausgewertet.cite-ref-diercke-w-rterbuch-24-0[24]

Klimafaktoren

Klimafaktoren sind die Komponenten des Raumes, die auf physikalischer, chemischer oder biologischer Basis eine deutliche Wirkung auf das Klimasystem ausĂŒben und es ĂŒber unterschiedlich lange ZeitrĂ€ume stabilisieren, prĂ€gen oder verĂ€ndern. Dabei können mehrere Faktoren zusammenwirken und auf diese Weise einen Prozess verstĂ€rken oder sich als jeweils gegenlĂ€ufige EinflĂŒsse weitgehend neutralisieren.cite-ref-diercke-w-rterbuch-24-1[24]

Wichtige Klimafaktoren sind:

‱ mittlere NiederschlagshĂ€ufigkeit (fĂŒr einen bestimmten Tag)
‱ mittlere Tagesgang des Dampfdrucks
‱ vorherrschende Windrichtungsverteilung im Monat
‱ mittlere Windgeschwindigkeit wĂ€hrend eines Jahres
‱ Topographische Lage
‱ Böden, (Art, Beschaffenheit, Bedeckung)
‱ WasserverhĂ€ltnisse an der OberflĂ€che,

Klimafaktoren ĂŒber die gesamte Dauer der Erdgeschichte

‱ Die Sonne ist fĂŒr das irdische Klima von primĂ€rer Bedeutung. Vor 4,6 Milliarden Jahren setzte bei ihr nach einer Phase als Protostern der Fusionsprozess ein, der den im Sonnenkern vorhandenen Wasserstoff allmĂ€hlich in Helium umwandelt. Dieses Stadium dauert rund 11 Milliarden Jahre, wobei die Leuchtkraft und der Radius des Gestirns deutlich zunehmen werden beziehungsweise bereits zugenommen haben.cite-ref-sackmann-25-0[25] Das bedeutet, dass die Sonne am Beginn der Erdgeschichte nur 70 Prozent ihrer gegenwĂ€rtigen Strahlungsleistung aufwies. Das Paradoxon der schwachen jungen Sonne berĂŒhrt grundlegende Fragen zur Entstehung und zur KontinuitĂ€t des irdischen Lebens und ist ein zentrales Thema der AtmosphĂ€renwissenschaften.
‱ Der Vulkanismus ist seit Beginn der Erdgeschichte ein elementarer Klimafaktor mit sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen (unter anderem Schildvulkane, Hotspots bzw. Manteldiapire, Magmatische Großprovinzen). Die permanente Freisetzung von Kohlenstoffdioxid durch vulkanische Ausgasungen (etwa 180 bis 440 Megatonnen jĂ€hrlich)cite-ref-26[26] gleicht die durch Verwitterung und Sedimentation bedingte CO2-Einlagerung weitgehend aus und trug im spĂ€ten PrĂ€kambrium entscheidend zur Überwindung der Schneeball-Erde-Stadien bei.cite-ref-10-1126-science-281-5381-1342-27-0[27]cite-ref-10-1029-2009jd012007-28-0[28] Andererseits ist auch eine mehrmalige Destabilisierung der BiosphĂ€re durch stark erhöhte vulkanische AktivitĂ€ten eindeutig nachgewiesen.cite-ref-10-1016-j-palaeo-2005-05-019-29-0[29]
‱ Treibhausgase sind strahlungsbeeinflussende gasförmige Stoffe in der AtmosphĂ€re, die den Antrieb des Treibhauseffekts bilden, unter anderem Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid, Methan, troposphĂ€risches Ozon und Distickstoffmonoxid. Das in seiner Gesamtwirkung stĂ€rkste Treibhausgas ist der Wasserdampf, dessen Anteil am natĂŒrlichen Treibhauseffekt zwischen 36 und 70 Prozent schwankt. Da der atmosphĂ€rische Wasserdampfgehalt unmittelbar von der Lufttemperatur abhĂ€ngt, nimmt seine Konzentration bei niedrigeren Durchschnittstemperaturen ab und steigt wĂ€hrend einer ErwĂ€rmungsphase an (Wasserdampf-RĂŒckkopplung beziehungsweise Clausius-Clapeyron-Gleichung).
‱ Die Plattentektonik bildet gewissermaßen den Motor fĂŒr klimatische VerĂ€nderungen in geologischen ZeitrĂ€umen. Ihr Einfluss auf das Erdklima beschrĂ€nkt sich dabei nicht nur auf die Entstehung vulkanischer Zonen, auch Gebirgsbildungen, Lage und GrĂ¶ĂŸe der Kontinente und damit verbundene Wettersysteme beziehungsweise ozeanische Strömungen stehen mit der Plattentektonik in direktem Zusammenhang. Durch Verwitterung in Kalkstein gebundener Kohlenstoff kann wieder in die AtmosphĂ€re freigesetzt werden, wenn die entsprechenden Gesteinsschichten im Zuge plattentektonischer Verschiebungen und in Verbindung mit erhöhten vulkanischen AktivitĂ€ten subduziert werden (vgl. Anorganischer Kohlenstoffzyklus).
‱ Albedo ist das Maß des RĂŒckstrahlvermögens nicht selbst leuchtender OberflĂ€chen. Eis- und SchneeflĂ€chen besitzen eine Albedo von ungefĂ€hr 0,80 (was einer RĂŒckstrahlung von 80 Prozent entspricht), wĂ€hrend freie MeeresoberflĂ€chen eine Albedo von rund 0,20 aufweisen und demzufolge mehr WĂ€rmeenergie aufnehmen als sie reflektieren. Die mittlere sphĂ€rische Albedo der Erde betrĂ€gt derzeit etwa 0,3. Sie hĂ€ngt von der Ausdehnung der Ozeane, Eisschilde, WĂŒsten und Vegetationszonen ab (einschließlich der Wolkenbedeckung und Aerosolkonzentration) und kann sich zusammen mit der Strahlungsbilanz verĂ€ndern.
‱ Verwitterungsprozesse bewirken tendenziell eine AbkĂŒhlung und kommen in AbhĂ€ngigkeit vom jeweiligen Klimazustand unterschiedlich stark zur Geltung. Aufgrund chemischer Verwitterung wird der AtmosphĂ€re permanent Kohlenstoffdioxid entzogen und in der LithosphĂ€re gebunden. Ein Teil des eingelagerten CO2 wird ĂŒber Millionen Jahre durch die Ausgasungen kontinentaler oder ozeanischer Vulkane der AtmosphĂ€re wieder zugefĂŒhrt.cite-ref-10-1029-jd090id03p05547-30-0[30] Unter den gegenwĂ€rtigen geophysikalischen Bedingungen wĂŒrde ein kompletter Austausch des atmosphĂ€rischen Kohlenstoffdioxids auf der Basis des Carbonat-Silicat-Zyklus ungefĂ€hr 500.000 Jahre benötigen.
‱ Klimarelevante Meeresspiegelschwankungen (Eustasie) beruhen auf zwei Hauptursachenː 1. VerĂ€nderungen des Meerwasservolumens durch die Bindung des Wassers in kontinentalen Eisschilden oder durch deren Abschmelzen (Glazialeustasie); 2. VerĂ€nderungen des Ozeanbeckenvolumens infolge tektonischer Prozesse, beispielsweise durch Bildung neuer ozeanischer Kruste. Dadurch sind Hebungen oder Senkungen des Meeresspiegels im Bereich von 100 bis 200 Metern möglich.
‱ Wolkenbildungen haben einen großen Einfluss auf den Energiehaushalt beziehungsweise die Strahlungsbilanz der Erde und damit auf das Klimasystem. Die WirkungszusammenhĂ€nge sind jedoch noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Neuere Studien gehen von der Möglichkeit aus, dass hohe CO2-Konzentrationen einen negativen Einfluss auf die Entstehung von Stratocumuluswolken ausĂŒben könnten, was einen zusĂ€tzlichen ErwĂ€rmungseffekt bedeuten wĂŒrde.cite-ref-10-1038-s41561-019-0310-1-31-0[31]

Sporadisch auftretende EinflĂŒsse ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume

‱ Magmatische Großprovinzen waren oftmals Ursache fĂŒr rasch verlaufende Klimawechsel. Dabei handelt es sich um den großvolumigen Austritt magmatischer Gesteine aus dem Erdmantel, die sich mitunter ĂŒber Millionen kmÂČ ausbreiteten und erhebliche Mengen an Kohlenstoffdioxid und anderen Gasen emittierten. Im Unterschied zum „normalen“ Vulkanismus bewirkten die AktivitĂ€ten einer Magmatischen Großprovinz keine aerosolbedingte AbkĂŒhlung, sondern eine weltweite und zum Teil extreme ErwĂ€rmung mit zusĂ€tzlicher Aktivierung mehrerer RĂŒckkopplungen.cite-ref-10-1130-2014-2505-02-32-0[32] Bekannte Magmatische Großprovinzen sind der Sibirische Trapp (252 mya) und der Dekkan-Trapp im heutigen Westindien (66 mya).
‱ Organismen, die durch Fixierung oder Freisetzung von Treibhausgasen klimawirksame Effekte hervorrufen können, wie Korallen, Methanbildner oder Pflanzen wie der Schwimmfarn Azolla, der wahrscheinlich 800.000 Jahre lang im EozĂ€n den Arktischen Ozean „besiedelte“.cite-ref-10-1038-nature04692-33-0[33]
‱ Die Eis-Albedo-RĂŒckkopplung bezeichnet einen positiven RĂŒckkopplungseffekt im Klimasystem, durch den im Verlauf einer globalen AbkĂŒhlung die Schnee- und Eisbedeckung (vor allem in den Polargebieten) weiter zunimmt. Die Eis-Albedo-RĂŒckkopplung ist besonders beim Übergang von einer Warm- zu einer Kaltzeit von Bedeutung, da sie Vereisungs- und AbkĂŒhlungsprozesse beschleunigt und verstĂ€rkt.
‱ Impaktereignisse grĂ¶ĂŸeren Ausmaßes können nicht nur die BiosphĂ€re in erheblichem Umfang destabilisieren und Massenaussterben wie jenes an der Kreide-PalĂ€ogen-Grenze verursachen, sondern auch das Klima ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume beeinflussen (abrupt einsetzender Impaktwinter ĂŒber einige Jahrzehnte, eventuell nachfolgende starke ErwĂ€rmung mit einer Dauer von mehreren 10.000 Jahren).
‱ → #Erdbahnparameter.

ZusĂ€tzliche und gegenwĂ€rtig wirksame EinflĂŒsse

‱ Sonnenfleckenzyklen korrelieren im Normalfall mit dem elfjĂ€hrigen Schwabe-Zyklus und dem Hale-Zyklus mit 22 Jahren Dauer, wobei die Sonne auch jahrzehntelang in einer „Stillstandsphase“ verharren kann. In der Klimatologie herrscht breite Übereinstimmung, dass sich die Globale ErwĂ€rmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts von der SonnenaktivitĂ€t vollstĂ€ndig abgekoppelt hat. Welchen Anteil die AktivitĂ€tszyklen am Verlauf der „Kleinen Eiszeit“ und anderen Klimaanomalien hatten, ist Gegenstand einer wissenschaftlichen Diskussion.cite-ref-10-1051-swsc-2017034-34-0[34]
‱ Aerosole sind mit einem TrĂ€gergas verbundene flĂŒssige oder feste Schwebeteilchen, die in Form von hygroskopischen Partikeln als Kondensationskerne an der Wolkenbildung beteiligt sind. ZusĂ€tzlich tragen sie je nach Konzentration, chemischer Beschaffenheit und atmosphĂ€rischer Verteilung ĂŒberwiegend zu einer AbkĂŒhlung des Klimas bei, vor allem bei einem Auftreten als helle Sulfataerosole. Aerosole gelangen zum Beispiel durch Vulkanismus, Wald- und FlĂ€chenbrĂ€nde sowie verstĂ€rkt seit Beginn des Industriezeitalters durch anthropogene Emissionen in die AtmosphĂ€re.
‱ Rossby-Wellen (auch planetarische Wellen) sind großrĂ€umige wellenförmige Bewegungen in der AtmosphĂ€re und den Meeren (als windgesteuerter Faktor der ozeanischen Zirkulation). In der LufthĂŒlle sind Rossby-Wellen eine mĂ€andrierende AusprĂ€gung des Jetstreams entlang der Grenze zwischen polaren Kalt- und subtropischen Warmluftzonen. Die in den letzten Jahren registrierte VerĂ€nderung der atmosphĂ€rischen Rossby-Wellen fĂŒhrt zu einer Zunahme stabiler Wetterlagen und damit zu einer HĂ€ufung extremer Witterung in den mittleren Breiten der NordhemisphĂ€re.cite-ref-10-1073-pnas-1412797111-35-0[35]cite-ref-10-1088-1748-9326-ab13bf-36-0[36]
‱ Mit der Nordatlantischen Oszillation (NAO) ist eine VerĂ€nderung der DruckverhĂ€ltnisse zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im SĂŒden ĂŒber dem Nordatlantik verbunden. Die NAO ĂŒbt einen starken Einfluss auf die Wetter- und Klimabedingungen im östlichen Nordamerika, des Nordatlantiks und in Europa aus.
‱ Die Atlantische Multidekaden-Oszillation (AMO) bezeichnet eine zyklische Schwankung der Ozeanströmungen im Nordatlantik mit einer VerĂ€nderung der MeeresoberflĂ€chentemperaturen des gesamten nordatlantischen Beckens.
‱ Die El Niño-Southern Oscillation (ENSO) ist eine kurzfristige Schwankung im Klimasystem der Erde, resultierend aus einer ungewöhnlichen ErwĂ€rmung im östlichen Pazifik (El Niño) und Luftdruckschwankungen in der AtmosphĂ€re (Southern Oscillation). Das ENSO-PhĂ€nomen ist in der Lage, die weltweite Temperaturentwicklung kurzfristig zu beeinflussen.
‱ Globale ErwĂ€rmung ist der vielfach belegte Trend zu höheren globalen Durchschnittstemperaturen aufgrund anthropogener Treibhausgas-Emissionen, mit Folgen wie steigenden Meeresspiegeln, Gletscherschmelze, Verschiebung von Klimazonen sowie Zunahme von Wetterextremen.cite-ref-peter-u-clark-37-0[37] Aussagen ĂŒber Umfang und Dauer der kĂŒnftigen Temperaturentwicklung beruhen auf verschiedenen Szenarien, die deutliche Auswirkungen ĂŒber Jahrtausende erwarten lassen, unter UmstĂ€nden auch darĂŒber hinaus.cite-ref-10-1073-pnas-1222843110-38-0[38]cite-ref-10-1038-nature16494-39-0[39]

Klimawandel

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Klimawandel

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PalÀoklimatologie

und

Klimaschutzabkommen

Im Unterschied zu regional oder hemisphĂ€risch auftretenden Klimaschwankungen (auch Klimafluktuationen oder Klimaanomalien, mit einer Dauer von einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten) erfolgt ein weltweiter Klimawandel durch die markante VerĂ€nderung des Strahlungsantriebs, der das Erdsystem aus einem thermisch-radiativen Gleichgewicht in ein neues Gleichgewicht ĂŒberfĂŒhrt. Dieser Prozess bewirkt je nach geophysikalischer Konstellation eine deutliche AbkĂŒhlung oder eine starke ErwĂ€rmung ĂŒber unterschiedlich lange ZeitrĂ€ume. Die gegenwĂ€rtige, durch den Menschen verursachte Globale ErwĂ€rmung ist ein Beispiel fĂŒr einen rasch fortschreitenden, aber noch nicht abgeschlossenen Klimawandel,cite-ref-10-1073-pnas-0812721106-40-0[40] dessen bisheriger und prognostizierter Verlauf möglicherweise ein in der Klimageschichte singulĂ€res Ereignis darstellt, fĂŒr das keine Entsprechung existiert.cite-ref-10-1038-ngeo2681-41-0[41]cite-ref-10-1016-j-gr-2017-12-002-42-0[42]

Die wichtigsten Komponenten eines Klimawandels auf globaler Ebene sind die variierende Sonneneinstrahlung aufgrund der Milanković-Zyklen, das RĂŒckstrahlvermögen (Albedo) der gesamten ErdoberflĂ€che sowie die atmosphĂ€rische Konzentration von Treibhausgasen, vorwiegend Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4), die wiederum auf der Basis des Treibhauseffekts die StĂ€rke der temperaturabhĂ€ngigen Wasserdampf-RĂŒckkopplung beeinflussen. Der Klimazustand der letzten 2,6 Millionen Jahre (QuartĂ€re Kaltzeit) war der eines Eiszeitalters und wurde hauptsĂ€chlich von den Milanković-Zyklen gesteuert, die die Sonneneinstrahlung ĂŒber die Dauer von 40.000 beziehungsweise 100.000 Jahren signifikant verĂ€nderten und so den Anstoß fĂŒr den Wechsel der Kaltzeiten (Glaziale) mit Warmzeiten (Interglaziale) gaben.cite-ref-10-1002-2015rg000482-43-0[43]

Nicht immer waren Kohlenstoffdioxid und/oder Methan die Hauptfaktoren eines Klimawandels. Sie fungierten im Rahmen natĂŒrlicher Klimawandel-Ereignisse manchmal als „RĂŒckkopplungsglieder“, die einen Klimatrend verstĂ€rkten, beschleunigten oder abschwĂ€chten.cite-ref-hansen-u-a-2008-44-0[44] In diesem Zusammenhang sind neben den Erdbahnparametern auch Feedbacks wie die Eis-Albedo-RĂŒckkopplung, die Vegetationsbedeckung, Verwitterungsprozesse, die VariabilitĂ€t des Wasserdampfgehalts sowie eine Vielzahl geologischer und geophysikalischer EinflĂŒsse zu berĂŒcksichtigen.

Eine spezielle Form des Klimawandels sind abrupte Klimawechsel. Sie wurden in der Erdgeschichte durch Impaktereignisse, Eruptionen von Supervulkanen, großflĂ€chige MagmaausflĂŒsse, schnelle VerĂ€nderungen von Meeresströmungen oder durch rasch ablaufende RĂŒckkopplungsprozesse im Klimasystem ausgelöst, oft in Verbindung mit ökologischen Krisen.cite-ref-10-1146-annurev-earth-33-092203-122654-45-0[45]

Klimageschichte

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Klimageschichte

Die Erde bildete sich vor 4,57 Milliarden Jahren aus mehreren Protoplaneten unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe. Ihre heutige Masse soll sie der Kollisionstheorie zufolge durch einen Zusammenstoß mit einem marsgroßen Himmelskörper namens Theia vor 4,52 Milliarden Jahren erhalten haben. Dadurch wurden Teile des Erdmantels und zahlreiche TrĂŒmmerstĂŒcke von Theia in den Orbit geschleudert, aus denen sich innerhalb von 10.000 Jahren der zu Beginn glutflĂŒssige Mond formte.cite-ref-46[46] Über dieses frĂŒheste und chaotisch geprĂ€gte Stadium der Erdgeschichte sind mangels verwertbarer Klimadaten keine gesicherten Aussagen möglich. Erst ab der Zeit vor 4,0 bis 3,8 Milliarden Jahren, nach der Entstehung der Ozeane und erster Lebensformen, existieren fossile Spuren und Proxys („Klimaanzeiger“), die RĂŒckschlĂŒsse auf klimatische Bedingungen erlauben. Auf Basis dieser Hinweise wird angenommen, dass ĂŒber weite Teile des Archaikums ein relativ warmes Klima herrschte.cite-ref-james-f-kasting-47-0[47] Diese Phase endete im frĂŒhen Proterozoikum vor 2,4 Milliarden Jahren mit dem Übergang in die 300 Millionen Jahre dauernde PalĂ€oproterozoische Vereisung.cite-ref-10-1073-pnas-0504878102-48-0[48]

Gegen Ende des PrĂ€kambriums diffundierte Sauerstoff in grĂ¶ĂŸeren Mengen bis in die StratosphĂ€re, und es bildete sich auf der Grundlage des Ozon-Sauerstoff-Zyklus eine Ozonschicht. Diese schĂŒtzte fortan die ErdoberflĂ€che vor der solaren UV-Strahlung und ermöglichte so die Besiedelung der Kontinente durch Flora und Fauna. WĂ€hrend des Erdaltertums nahm der Sauerstoffgehalt rasch zu. Er entsprach im Umkreis der Devon-Karbon-Grenze (ca. 359 mya) erstmals der heutigen Konzentration von 21 Prozent und erreichte gegen Ende des Karbons etwa 33 bis 35 Prozent. Im weiteren Verlauf der Erd- und Klimageschichte war die AtmosphĂ€re in AbhĂ€ngigkeit von biogeochemischen und geophysikalischen EinflĂŒssen immer wieder starken VerĂ€nderungen unterworfen. Die Sauerstoff-, Kohlenstoffdioxid- und Methan-Anteile schwankten zum Teil erheblich und spielten direkt oder indirekt eine entscheidende Rolle bei einer Reihe von Klimawandel-Ereignissen.cite-ref-10-2475-02-2009-01-49-0[49]

Bei Analyse der Klimageschichte spricht eine wachsende Zahl von Belegen fĂŒr die Annahme, dass fast alle bekannten Massenaussterben oder die deutliche Reduzierung der BiodiversitĂ€t mit raschen KlimaĂ€nderungen und deren Folgen verknĂŒpft waren. Daraus resultierte die Erkenntnis, dass diese Ereignisse nicht zwangslĂ€ufig an langfristige geologische Prozesse gekoppelt sein mĂŒssen, sondern hĂ€ufig einen katastrophischen und zeitlich eng begrenzten Verlauf genommen haben.cite-ref-10-1016-j-palaeo-2016-11-005-50-0[50] Biologische Krisen korrelierten in den letzten 540 Millionen Jahren mehrmals mit einer AbkĂŒhlungsphase (mit einem weltweiten TemperaturrĂŒckgang von 4 bis 5 °C), hĂ€ufiger jedoch mit starken ErwĂ€rmungen im Bereich von 5 bis 10 °C.cite-ref-10-1016-s0169-5347-03-00093-4-51-0[51] Im letzteren Fall trug ein BĂŒndel von Nebenwirkungen (VegetationsrĂŒckgang, Ausgasungen von Gift- und Schadstoffen, Sauerstoffdefizite, Versauerung der Ozeane etc.) dazu bei, die irdische BiosphĂ€re weiter zu destabilisieren.cite-ref-10-1016-j-palaeo-2005-05-019-29-1[29]cite-ref-10-1130-2014-2505-02-32-1[32]

Die im 20. Jahrhundert entwickelte radiometrische Datierung, die eine absolute Altersbestimmung magmatischer Gesteine und vulkanogener Sedimente erlaubt, fĂŒhrte zur Etablierung der Subdisziplinen Geochronologie und Chronostratigraphie und besitzt große Bedeutung fĂŒr alle Perioden des 541 Millionen Jahre umfassenden Phanerozoikums und darĂŒber hinaus. GebrĂ€uchliche Methoden sind die Uran-Thorium-Datierung und die Uran-Blei-Datierung. FĂŒr genaue Datierungen eignen sich vor allem Zirkonkristalle, deren stabile Gitterstruktur eine prĂ€zise Auswertung der darin eingeschlossenen radioaktiven Nuklide erlaubt. ZusĂ€tzlich wird zur Rekonstruktion vergangener Klimate und ihrer Umweltbedingungen eine Reihe verschiedener Isotopenuntersuchungen verwendet, mit deren Hilfe beispielsweise frĂŒhere Meerestemperaturen, CO2-Konzentrationen oder VerĂ€nderungen des Kohlenstoffzyklus ermittelt werden können. FĂŒr jĂŒngere erdgeschichtliche Abschnitte (PleistozĂ€n und HolozĂ€n) kommen weitere Analysewerkzeuge zum Einsatz. Mit die wichtigsten sind die Dendrochronologie (Jahresring-Auswertung),cite-ref-52[52] die Palynologie (Pollenanalyse), die Warvenchronologie (BĂ€ndertondatierung),cite-ref-53[53] Eisbohrkerne,cite-ref-10-3189-2014aog68a189-54-0[54] Ozeanische Sedimente sowie Tropfsteine (Stalagmiten und Stalaktiten).

Klimaereignisse in historischer Zeit und ihre Auswirkungen auf menschliche Gesellschaften sind Forschungsgegenstand der Historischen Klimatologie beziehungsweise der Umweltgeschichte, wobei vielfach auf schriftliche Aufzeichnungen zurĂŒckgegriffen wird. Mitteleuropa verfĂŒgt ĂŒber einen so reichhaltigen Fundus zeitgenössischer Berichte, dass etwa ab dem Jahr 1500 fĂŒr nahezu jeden einzelnen Monat aussagekrĂ€ftige Schilderungen der damaligen Witterung vorliegen. KlimaverĂ€nderungen wie die Mittelalterliche Klimaanomalie oder die Kleine Eiszeit werden dabei ebenso einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen wie einzelne Extreme, zum Beispiel das von katastrophaler DĂŒrre geprĂ€gte Jahr 1540.cite-ref-10-1007-s10584-014-1184-2-55-0[55]

Erdbahnparameter

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Milanković-Zyklen

Dass langfristige Schwankungen des globalen Klimas auf zyklischen VerĂ€nderungen der Erdachse und der Erdumlaufbahn beruhen könnten, wurde bereits in der 2. HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts vermutet.cite-ref-56[56] Eine erste umfassende Darstellung auf der Basis umfangreicher Berechnungen gelang dem Geophysiker und Mathematiker Milutin Milanković (1879–1958). Sein in jahrelanger Arbeit erstelltes ErklĂ€rungsmodell berĂŒcksichtigt die periodischen VerĂ€nderungen der Erdbahn (von leicht elliptisch bis fast kreisförmig), die Neigung der Erdachse sowie das Kreiseln der Erde um ihre Rotationsachse (PrĂ€zession).

Die nach Milanković benannten Zyklen beeinflussen die Verteilung und zum Teil die IntensitĂ€t der Sonneneinstrahlung auf der Erde. Vor allem der die ExzentrizitĂ€t steuernde Großzyklus mit einer Dauer von 405.000 Jahren bildete ĂŒber weite Teile des Phanerozoikums einen stabilen kosmischen „Taktgeber“ und kann nach neueren Erkenntnissen bis in die Obertrias vor etwa 215 Millionen Jahren zurĂŒckverfolgt werden.cite-ref-10-1073-pnas-1800891115-57-0[57] Eine dauerhafte Wirkung entfalteten die Zyklen speziell wĂ€hrend verschiedener Glazialphasen mit niedrigen Treibhausgas-Konzentrationen, wobei ihr Einfluss auf den Verlauf der QuartĂ€ren Kaltzeit aufgrund deren zeitlicher NĂ€he gut nachvollzogen werden kann.cite-ref-10-1002-2015rg000482-43-1[43] Da die Milanković-Zyklen jedoch zu schwach sind, um als primĂ€rer Antrieb fĂŒr die gesamte Klimageschichte in Frage zu kommen, scheinen sie im Klimasystem in erster Linie als „Impulsgeber“ zu fungieren. Bei der Modellierung von KlimaverlĂ€ufen werden daher zusĂ€tzliche Faktoren und RĂŒckkopplungseffekte mit einberechnet.

Seit ihrer „Wiederbelebung“ in den 1980er Jahren ist die Theorie in modifizierter und erweiterter Form zum festen Bestandteil von PalĂ€oklimatologie und QuartĂ€rforschung geworden.cite-ref-a-berger-58-0[58] Die Milanković-Zyklen gelten in der Klimaforschung als wichtiger Einflussfaktor und werden sowohl bei der Rekonstruktion der letzten Kaltzeitphasen als auch bei der Analyse weiterer Klimawandel-Ereignisse wĂ€hrend des Phanerozoikums herangezogen.cite-ref-10-1002-2015rg000482-43-2[43]cite-ref-10-1038-ngeo2822-59-0[59]

KlimasensitivitÀt

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KlimasensitivitÀt

Die KlimasensitivitĂ€t ist nach einer hĂ€ufig verwendeten Definition jene Temperaturzunahme, die sich bei einer Verdoppelung der atmosphĂ€rischen Kohlenstoffdioxid-Konzentration einstellt. Bezogen auf die aktuelle Globale ErwĂ€rmung wĂŒrde dies eine CO2-Verdoppelung von vorindustriellen 280 ppm auf 560 ppm bedeuten. Mit Stand 2019 betrĂ€gt die im Jahresverlauf leicht schwankende CO2-Konzentration ungefĂ€hr 412 ppm. Neben Kohlenstoffdioxid sind noch weitere Gase am Treibhauseffekt beteiligt, deren Beitrag in der Regel als CO2-Äquivalente dargestellt wird.

Die Eingrenzung der KlimasensitivitĂ€t auf einen möglichst genauen Temperaturwert ist fĂŒr die Kenntnis der kĂŒnftigen Klimaentwicklung von grundlegender Bedeutung. Bei ausschließlicher Betrachtung der im Labor gemessenen Strahlungswirkung von CO2 betrĂ€gt die KlimasensitivitĂ€t 1,2 °C. Zur KlimasensitivitĂ€t trĂ€gt jedoch auch eine Reihe positiver RĂŒckkopplungseffekte im Klimasystem bei, wobei zwischen schnellen und langsamen Feedbacks unterschieden wird. Wasserdampf-, Eis-Albedo- und AerosolrĂŒckkopplung sowie die Wolkenbildung zĂ€hlen zu den schnellen RĂŒckkopplungen. Die Eisschilde, kohlenstoffbindende Verwitterungsprozesse sowie die Ausbreitung oder Reduzierung der VegetationsflĂ€che gelten als langsame RĂŒckkopplungseffekte und werden der Erdsystem-KlimasensitivitĂ€t zugeordnet.

Die KlimasensitivitĂ€t als dynamischer Faktor hĂ€ngt in hohem Maße vom jeweiligen Klimazustand ab. Beispiele aus der Erdgeschichte zeigen, dass sich die KlimasensitivitĂ€t mit Zunahme des Strahlungsantriebs und der damit steigenden Globaltemperatur ebenfalls erhöht. So wird beispielsweise fĂŒr die starke ErwĂ€rmungsphase des PalĂ€ozĂ€n/EozĂ€n-Temperaturmaximums vor 55,8 Millionen Jahren eine KlimasensitivitĂ€t im Bereich von 3,7 bis 6,5 °C postuliert.cite-ref-10-1002-2016gl069243-60-0[60] Ähnlich hohe Werte werden auch fĂŒr den grĂ¶ĂŸten Teil des ĂŒbrigen KĂ€nozoikums veranschlagt.cite-ref-10-1111-j-1472-4669-2012-00320-x-61-0[61]

In den vergangenen Jahrzehnten wurden der KlimasensitivitĂ€t sehr unterschiedliche Werte zugeschrieben. Die Sachstandsberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), die den jeweils aktuellen Forschungsstand zusammenfassen, gelten hierbei als maßgebliche und zuverlĂ€ssige Quelle. Im 2007 erschienenen Vierten Sachstandsbericht lag der als „wahrscheinlich“ eingestufte Temperaturkorridor zwischen 2 und 4,5 °C. Laut dem 2013 veröffentlichten FĂŒnften Sachstandsbericht betrug die Bandbreite zwischen 1,5 und 4,5 °C.cite-ref-62[62] Demnach liegt der beste mittlere SchĂ€tzwert fĂŒr die gegenwĂ€rtige KlimasensitivitĂ€t bei rund 3 °C. Im Jahr 2019 zeigten erste Auswertungen der neuentwickelten Klimamodellreihe CMIP6, dass einige Standardtests mit 2,8 bis 5,8 °C deutlich höhere KlimasensitivitĂ€ten ergaben als frĂŒhere Modellgenerationen.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64] Allerdings fĂŒhrte die Anwendung von CMIP6 mit der Modellvariante CESM2 (Community Earth System Model version 2) beim Vergleich mit palĂ€oklimatologisch ermittelten Temperaturdaten des frĂŒhen KĂ€nozoikums zu erheblichen Abweichungen beziehungsweise unrealistischen Werten.cite-ref-10-1038-s41558-020-0764-6-65-0[65]

Klimafaktor Mensch

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Globale ErwÀrmung

Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erhöhen die Menschen den Anteil an Treibhausgasen in der AtmosphĂ€re in signifikantem Umfang. Besonders die Verbrennung fossiler EnergietrĂ€ger trug dazu bei, dass die Kohlenstoffdioxid-Konzentration von 280 ppm (Teile pro Million) auf (Stand 2020) 415 ppm stieg. Hinzu kommen betrĂ€chtliche Methan-Emissionen, vor allem bedingt durch intensive Tierhaltung, sowie weitere Treibhausgase wie Distickstoffmonoxid (Lachgas) oder Carbonylsulfid. Ein bedeutender Faktor ist zudem die großflĂ€chige Entwaldung insbesondere der tropischen RegenwĂ€lder.

Der Temperaturanstieg gegenĂŒber der vorindustriellen Zeit bis zum Jahr 2018 betrug nach Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) etwa 1,0 °C.cite-ref-66[66] Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts rechnet der IPCC im ungĂŒnstigsten Fall (reprĂ€sentativer Konzentrationspfad RCP 8.5) mit einem Temperaturanstieg im Bereich von 2,6 bis 4,8 °C.cite-ref-67[67]

Die Zunahme von Treibhausgasen und der damit gekoppelte Temperaturanstieg sind nach einhelliger wissenschaftlicher Meinung auf menschliche AktivitĂ€ten zurĂŒckzufĂŒhren. Wenn es nicht gelingt, die anthropogenen Emissionen in hohem Umfang zu reduzieren, drohen selbst bei einer relativ moderaten ErwĂ€rmung von 2 °C zahlreiche und zum Teil schwerwiegende Folgen, zu denen steigende Meeresspiegel, zunehmende Wetterextreme und gravierende Auswirkungen auf menschliche Gemeinschaften zĂ€hlen.cite-ref-doi10-5194-acpd-15-20059-2015-68-0[68] Neuere Analysen auf der Basis umfassender palĂ€oklimatologischer Datenreihen der letzten 12.000 Jahre kommen zu dem Ergebnis, dass die im bisherigen 21. Jahrhundert aufgetretene ErwĂ€rmung die Temperaturwerte des HolozĂ€nen Klimaoptimums (vor etwa 8000 bis 6000 Jahren) mit hoher Wahrscheinlichkeit ĂŒbertrifft.cite-ref-10-1038-s41597-020-0530-7-69-0[69]

Kippelemente

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Hauptartikel

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Kippelemente im Erdklimasystem

Kippelemente (englisch Tipping Elements) sind in der Erdsystemforschung Bestandteile des Klimasystems, die durch geringe Ă€ußere EinflĂŒsse einen neuen Zustand annehmen, wenn sie einen bestimmten Kipppunkt erreichen. Diese Änderungen können abrupt erfolgen und gelten zum Teil als irreversibel. Das Konzept der Kippelemente wird vor allem in der geowissenschaftlichen Fachliteratur seit Beginn des Jahrtausends als bis dahin vernachlĂ€ssigte Möglichkeit diskontinuierlicher Prozesse – vor allem im Zusammenhang mit der gegenwĂ€rtigen globalen ErwĂ€rmung – auf breiter Basis diskutiert.cite-ref-10-1073-pnas-0705414105-70-0[70]

In einer ersten Bestandsaufnahme wurden die folgenden potenziellen Kippelemente identifiziert:

‱ Abschmelzen des sommerlichen arktischen Meereises
‱ Abschmelzen des grönlĂ€ndischen Eisschildes
‱ Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes
‱ Erlahmen der atlantischen thermohalinen Zirkulation
‱ VerĂ€nderung der El Niño-Southern Oscillation (ENSO)
‱ Zusammenbruch des indischen Sommermonsuns
‱ VerĂ€nderungen im Westafrikanischen Monsunsystem mit Auswirkungen auf Sahara und Sahelzone
‱ Verödung des tropischen Regenwaldes
‱ Reduzierung borealer WĂ€lder

In den folgenden Jahren wurden weitere Kippelemente benannt, darunter die Methan-Freisetzung aus den Ozeanen und aus tauenden Dauerfrostbödencite-ref-10-1002-grl-50735-71-0[71] sowie das weltweite Absterben von Korallenriffen.cite-ref-10-1038-nature21707-72-0[72] Durch die Aktivierung einiger Kippelemente könnten in Form von RĂŒckkopplungen weitere Kipppunkte ĂŒberschritten werden. Damit bestĂŒnde das Risiko einer Kettenreaktion („Kaskade“), die das Klima unumkehrbar in ein Warmklima ĂŒberfĂŒhren wĂŒrde, in etwa vergleichbar mit den Umweltbedingungen des PliozĂ€ns oder – bei unvermindertem Emissionsvolumen – des EozĂ€ns.cite-ref-10-1073-pnas-1810141115-73-0[73]cite-ref-10-1073-pnas-1809600115-74-0[74]

Im Hinblick auf verschiedene geochronologische Perioden gibt es eine Reihe deutlicher Hinweise, dass bei Erreichen bestimmter Kipppunkte ein abrupter Wechsel in einen neuen Klimazustand stattfand,cite-ref-10-1130-g131a-1-75-0[75] wie zum Beispiel wÀhrend des Hangenberg-Ereignisses im spÀten Devon vor etwa 359 Millionen Jahren.cite-ref-10-1016-j-gr-2015-02-009-76-0[76]

Klimamodelle

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Klimamodell

Klimamodelle sind Computermodelle zur Berechnung des Klimas und dessen Einflussfaktoren ĂŒber einen bestimmten Zeitraum und werden sowohl zur Analyse kĂŒnftiger Entwicklungen als auch zur Rekonstruktion von PalĂ€oklimaten verwendet. Die Projektionen der Klimamodelle sind naturgemĂ€ĂŸ unsicherer als die der Wettermodelle, da hierbei wesentlich grĂ¶ĂŸere ZeitrĂ€ume in Betracht gezogen und eine Reihe zusĂ€tzlicher Parameter berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen. Aus diesem Grund werden keine Klimaprognosen, sondern Szenarien mit bestimmten Wahrscheinlichkeitskorridoren erstellt. Ein Klimamodell basiert in der Regel auf einem Meteorologiemodell, wie es auch zur numerischen Wettervorhersage verwendet wird. Dieses Modell wird jedoch fĂŒr die Klimamodellierung modifiziert und erweitert, um alle ErhaltungsgrĂ¶ĂŸen korrekt abzubilden. Oftmals wird dabei ein Ozeanmodell, ein Schnee- und Eismodell fĂŒr die KryosphĂ€re und ein Vegetationsmodell fĂŒr die BiosphĂ€re angekoppelt.cite-ref-stocker-77-0[77]

Die meisten Modelle werden an realen KlimaverlĂ€ufen der Gegenwart und der Vergangenheit kalibriert, so dass sie nicht nur aktuelle Entwicklungen, sondern beispielsweise auch die Klimazyklen ĂŒber mehrere 100.000 Jahre weitgehend korrekt nachbilden können. Somit wurde es möglich, den charakteristischen Ablauf der QuartĂ€ren Eiszeit mit ihren Warm- und Kaltphasen, einschließlich der Milanković-Zyklen, des Treibhauseffekts und der Eis-Albedo-RĂŒckkopplung, auf ein solides theoretisches Fundament zu stellen.cite-ref-78[78] Allerdings bestehen fĂŒr Projektionen kĂŒnftiger Klimaentwicklungen ĂŒber Jahrhunderte oder lĂ€nger große Unsicherheiten hinsichtlich möglicher RĂŒckkopplungsprozesse, vor allem in Verbindung mit den Kippelementen im Erdsystem, sodass es selbst unter Einbeziehung der Klimageschichte beziehungsweise palĂ€oklimatologisch ermittelter Daten schwierig ist, valide Resultate zu erzielen.cite-ref-10-1038-s41561-018-0146-0-79-0[79] Ebenso haben dekadische Klimamodellierungen nur eine beschrĂ€nkte Aussagekraft, da kurzfristig auftretende Schwankungen einen Trend jederzeit ĂŒberlagern oder verfĂ€lschen können.cite-ref-10-1038-ngeo2973-80-0[80]

Klima in Deutschland

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Klima in Deutschland

und

Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland

Deutschland liegt vollstĂ€ndig in der gemĂ€ĂŸigten Klimazone Mitteleuropas im Einflussbereich der Westwindzone und somit in der Übergangsregion zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das fĂŒr die relativ hohe nördliche Breite milde Klima wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst.

Der bundesweite Gebietsmittelwert der Lufttemperatur betrĂ€gt im Jahresmittel 8,2 °C (Normalperiode 1961–1990), der niedrigste Monatsdurchschnitt wird mit −0,5 °C im Januar und der höchste mit 16,9 °C im Juli erreicht. Spitzenreiter bei den Jahresdurchschnittstemperaturen ist der Oberrhein-Graben mit ĂŒber 11 °C, wĂ€hrend Oberstdorf, 800 Meter ĂŒber Meereshöhe gelegen, rund 6 °C verzeichnet. Der kĂ€lteste Ort ist der Gipfel der 2962 m hohen Zugspitze mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von fast −5 °C. Die mittlere jĂ€hrliche Niederschlagshöhe betrĂ€gt 789 mm, die mittleren monatlichen Niederschlagshöhen liegen zwischen 49 mm im Februar und 85 mm im Juni. Die Niederschlagshöhe schwankt in einem Bereich von ĂŒber 1000 mm in der Alpenregion und den Mittelgebirgen und unter 500 mm im Regenschatten des Harzes zwischen Magdeburg im Norden, Leipzig im Osten und Erfurt im SĂŒden. Generell nimmt die HumiditĂ€t von West nach Ost ab.

In den letzten Jahrzehnten verzeichnet auch Deutschland einen deutlichen ErwĂ€rmungstrend: Nach den Statistiken des Deutschen Wetterdienstes lagen in allen Jahren seit 1988 (ausgenommen 1996 und 2010) die Durchschnittstemperaturen ĂŒber dem langjĂ€hrigen Mittel von 8,2 °C. 2014 wurde mit 10,3 °C erstmals ein zweistelliger Jahreswert erreicht, ĂŒbertroffen nur vom bisherigen Rekordjahr 2018 mit 10,5 °C.cite-ref-dwd2018-81-0[81] FĂŒr den Zeitraum 1881 bis 2018 ergibt sich in den Auswertungen des Deutschen Wetterdienst ein Temperaturanstieg fĂŒr Deutschland um +1,5 °C (linearer Trend).cite-ref-dwd2018-81-1[81] Die Zunahme im Sommer betrug +1,4 °C (1881–2018), im Winter +1,5 °C (1882–2019).cite-ref-82[82] Dabei hat sich der Trend in den letzten Jahrzehnten verstĂ€rkt.cite-ref-83[83] Damit verbunden zeigen Beobachtungen der Pflanzenentwicklung eine Verschiebung der phĂ€nologischen Jahreszeiten. Beispielsweise trat die HaselnussblĂŒte, die als Indikator fĂŒr den phĂ€nologischen VorfrĂŒhling definiert ist, im Zeitraum 1991–2010 ca. 12 Tage frĂŒher auf als im Zeitraum 1961–1990.cite-ref-84[84] Auch Zugvögel bleiben fast einen Monat lĂ€nger in Deutschland als noch in den 1970er Jahren.

Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur wurde am 24. Dezember 2001 mit −45,9 °C am Funtensee in den Berchtesgadener Alpen registriert. Allerdings handelt es sich hierbei um eine besonders exponierte Lage, da in der abflusslosen Senke ĂŒber Schneebedeckung ein Kaltluftstau entstehen kann. Der Deutsche Wetterdienst gibt als offiziellen Rekordwert −37,8 °C an, gemessen am 12. Februar 1929 in HĂŒll (Ortsteil von Wolnzach, Kreis Pfaffenhofen). Nachdem am 24. Juli 2019 die bisher höchste Temperatur mit 40,5 °C im nordrhein-westfĂ€lischen Geilenkirchen gemessen wurde,cite-ref-85[85] setzten bereits einen Tag spĂ€ter die Wetterstationen Duisburg-Baerl und Tönisvorst mit jeweils 41,2 °C neue Rekordmarken.cite-ref-86[86] Ungewöhnlich hohe Temperaturen traten am 25. Juli 2019 auch an einer Reihe anderer Orte auf.cite-ref-87[87]cite-ref-88[88]

Die sonnigsten Regionen Deutschlands sind in den nördlichen und sĂŒdlichen Randbereichen des Landes zu finden. Mit 1869 Sonnenstunden pro Jahr ist Kap Arkona auf der Insel RĂŒgen der Rekordhalter fĂŒr die aktuelle Referenzperiode 1981–2010.cite-ref-89[89] Im SĂŒden befinden sich die sonnigsten Regionen am sĂŒdlichen Oberrhein, in der Region um Stuttgart und im bayerischen Alpenvorland einschließlich der Landeshauptstadt MĂŒnchen. In diesen Gebieten werden im Durchschnitt jĂ€hrlich etwa 1800 Sonnenstunden gemessen. Allerdings ist deren Verteilung im Hinblick auf die Jahreszeiten sehr unterschiedlich: WĂ€hrend an der OstseekĂŒste die meisten Sonnenstunden im FrĂŒhjahr und Sommer auftreten, sind im SĂŒden und besonders im Alpenvorland die Wintermonate deutlich sonniger als in den ĂŒbrigen Landesteilen.

Witterungsbedingungen wie ausgeprĂ€gte DĂŒrren oder Hitzewellen waren bisher aufgrund der ausgleichenden Westwindzone relativ selten, ereigneten sich jedoch im Jahresverlauf 2018 nicht nur in Deutschland, sondern fast ĂŒberall in Europa, und könnten laut verschiedenen Untersuchungen kĂŒnftig zunehmen.cite-ref-doi10-1088-1748-9326-11-7-074004-90-0[90] Ein gegenteiliges Extrem war eine von Ende Januar bis Mitte Februar 2012 dauernde europaweite KĂ€ltephase. In den Herbst- und Wintermonaten gibt es immer wieder einzelne Sturm- oder Orkantiefs, die meistens ĂŒber die Nordsee nach Osten ziehen und vor allem Norddeutschland und die Mittelgebirge treffen, wie zum Beispiel die Orkantiefs Lothar im Dezember 1999 und Kyrill im Januar 2007. RegelmĂ€ĂŸig ereignen sich auch Hochwasser, die nach intensiven NiederschlĂ€gen im Sommer (Oderhochwasser 1997, Hochwasser in Mitteleuropa 2002) oder nach der Schneeschmelze zu Überschwemmungen mit erheblichem Schadenspotenzial fĂŒhren können. DĂŒrren betreffen im Normalfall den eher trockenen Nordosten Deutschlands, können jedoch mitunter auf das ganze Land ĂŒbergreifen, wie wĂ€hrend der Hitzewellen 2003, 2015 und 2018.

Weitere Wetterextreme wie GewitterstĂŒrme und Tornados entstehen vorwiegend im FrĂŒh- und Hochsommer. WĂ€hrend SĂŒddeutschland schwerpunktmĂ€ĂŸig von Hagelunwettern heimgesucht wird, nimmt die Tornadotendenz nach Nordwesten hin leicht zu. Eine Besonderheit sind hierbei die an der Nord- und OstseekĂŒste hauptsĂ€chlich im SpĂ€tsommer auftretenden Wasserhosen. Insgesamt ist jĂ€hrlich mit 30 bis 60 Tornados zu rechnen, in manchen Jahren auch mit deutlich mehr (119 Tornados 2006).cite-ref-91[91]

Literatur

Begriff und Definition des Klimas

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‱ M. Hantel, H. Kraus, C. D. Schönwiese: Climate definition. Springer Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-540-17473-7.
‱ M. Hogger: Climatypes. Hogger Verlag, Ainring 2007.
‱ Christoph Buchal, Christian-Dietrich Schönwiese: Klima. Die Erde und ihre AtmosphĂ€re im Wandel der Zeiten. Hrsg.: Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. 2. Auflage. Hanau 2012, ISBN 978-3-89336-589-0.
‱ Christian-Dietrich Schönwiese: Klimatologie. 4., ĂŒberarbeitete und aktualisierte Auflage. UTB, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8252-3900-8.
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Klimageschichte und natĂŒrlicher Klimawandel

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‱ Karl-Heinz Ludwig: Eine kurze Geschichte des Klimas. Von der Entstehung der Erde bis heute. Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-54746-X.
‱ Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen ErwĂ€rmung. Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen, ISBN 978-3-406-52866-8.
‱ Tobias KrĂŒger: Die Entdeckung der Eiszeiten – Internationale Rezeption und Konsequenzen fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Klimageschichte. Schwabe-Verlag, Basel 2008, ISBN 978-3-7965-2439-4.
‱ Heinz Wanner: Klima und Mensch. Eine 12.000-jĂ€hrige Geschichte. Haupt Verlag, Bern 2016, ISBN 978-3-258-07879-3.

Klimafaktor Mensch

‱ EnzyklopĂ€die der Natur. Die Geheimnisse der Natur entdecken, entschlĂŒsseln, erklĂ€ren. Orbis Verlag, 1992, ISBN 3-572-01284-8, S. 84/85.
‱ Tim Flannery: Wir Wettermacher, Wie die Menschen das Klima verĂ€ndern und was das fĂŒr unser Leben auf der Erde bedeutet. Fischer Verlag, 2006, ISBN 3-10-021109-X.
‱ Claudia Kemfert: Die andere Klima-Zukunft: Innovation statt Depression Murmann-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86774-047-0.
‱ David Goeßmann: Kurs Klimakollaps. Das große Versagen der Politik. Das Neue Berlin 2021, ISBN 978-3-360-01364-4.

Weblinks

Commons

: Klima

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Klima

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikiquote: Klima

– Zitate

‱ Matthias Heymann und Katja Gorbahn: Klima, in: Ernst MĂŒller, Barbara Picht, Falko Schmieder (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland, Schwabe Verlag Basel/Berlin
‱ Environmental Science Published for Everybody Round the Earth (ESPERE): „KlimaenzyklopĂ€die“, „Das Klimainformationsprojekt fĂŒr Schule und Bevölkerung“
‱ bildungsserver.hamburg.de: AusfĂŒhrliche Informationen zu Klima, Klimawandel, Klimafolgen, Klimaschutz und Klimaskeptikerthesen
‱ climateanalytics.org
‱ earth.nullschool.net: Globale Klimakarte
‱ https://climatecharts.net/ – Webapplikation zur Erzeugung rĂ€umlich und zeitlich variabler Klimadiagramme.
‱ mcc-berlin.net: Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)

Einzelnachweise

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cite-note-33. ↑ Michael Hantel, Helmut Kraus, Christian-Dietrich Schönwiese: 11 Climate Definitions. In: G. Fischer G. (Hrsg.): Climatology. Part 1. Landolt-Börnstein – Group V Geophysics (Numerical Data and Functional Relationships in Science and Technology). 4c1. Springer, doi:10.1007/10356990_2.
cite-note-heymann2009-44. ↑ Matthias Heymann: Klimakonstruktionen – Von der klassischen Klimatologie zur Klimaforschung. In: NTM Zeitschrift fĂŒr Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin. Band 17, Nr. 2, Mai 2009, S. 171–197, doi:10.1007/s00048-009-0336-3.
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